Publikation 2000 Kurzbeschreibung
Cover (Copyright HochschulVerlag) 
Die Untersuchung der einzigartigen menschlichen Sprachfähigkeit beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrhunderten. Gerade im ausgegangenen 20. Jahrhundert sind hier substanzielle Fortschritte erzielt worden, weil die Linguistik sich in den Bereich der Naturwissenschaften verlagert hat. Die Untersuchung der Sprache konzentriert sich heute hauptsächlich auf die kognitiven Grundlagen unserer Sprachfertigkeit. Dabei steht zunehmend im Mittelpunkt, welche neurophysiologischen Prozesse beim Sprechen und Verstehen am Werke sind, und welche Bereiche des Gehirns sich für welche Sprachfunktionen als zuständig erweisen.
Andererseits werden durch sprachpathologische Untersuchungen wichtige Erkenntnisse für die theoretische Modellbildung innerhalb der Linguistik und Psycholinguistik gewonnen. Bevor bestimmten Gehirnarealen sprachliche Funktionen zugeordnet werden können, müssen die Bausteine der Sprache erkannt und beschrieben worden sein. Ohne (psycho)linguistische Modell- und Theoriebildung sind keinerlei Rückschlüsse auf die neuronalen Grundgegebenheiten der Sprache und des Sprechens möglich, und ohne patholinguistische Erkenntnisse ist keine Verbesserung der (psycho)linguistischen Modelle zu erreichen.
Die Arbeiten von Christian Trumpp und Katja Krauß-Trumpp ("Dysgrammatismus und linguistische Erklärungsansätze") und Martina Dombert ("Sprech- und Sprachstörungen bei Morbus Parkinson") versuchen, einen Beitrag zum Brückenschlag zwischen (psycho)linguistischer Modellbildung und patholinguistischer Praxis zu leisten. Es zeigt sich, dass grundlegende linguistische Erkenntnisse wie etwa die Kompetenz- vs. Performanz-Unterscheidung sich als fruchtbar für die Erklärung sprachlicher Störungen erwiesen haben. Therapieansätze zur Überwindung sprachlicher Defizite sind eine gute Sache, sie mit Hilfe (psycho)linguistischer Begrifflichkeit begründen und verbessern zu können sicher eine noch bessere.

Abstracts
Skripten zur Neuro-/Patholinguistik