Hinweis: Dieses Glossar bezieht sich explizit auf das Studienbuch "Die Sprache - ein Phänomen und seine Erforschung" (vgl. Bild). Die vorherige Lektüre dieses Buches wird dringend empfohlen. Weitere Erklärungen siehe dort.
Diese Veröffentlichung als Zusatz zum Buch unterliegt wie alle Veröffentlichungen der Zitierungspflicht, z. B.:
Reischer, Jürgen (2002): Glossar zu "Die Sprache - ein Phänomen und seine Erforschung". www.das-phaenomen-sprache.de.

Absicht:
Intention im Sinne eines Vorsatzes/Vorhabens/Plans (Absicht
V) eines Handelnden oder Zwecks (AbsichtZ) einer Handlung. Der Vorsatz einer Person ist unabhängig vom Zweck einer Handlung, die den Vorsatz realisieren kann (vgl. die Vorsätze zum neuen Jahr, die meist auch solche bleiben und eben nicht in entsprechend zweckhafte Handlungen münden, die diese Vorsätze realisieren sollen).

Adjunkt:
(Freie) Ergänzung eines Wortes oder Satzes, die keinen Argumentstatus hat und ohne Schaden weggelassen werden kann (z. B. "der Hund von Hans", "Hans zahlt bar in Euro", aber vgl. *"die Gattin", *"Hans wohnt").

Affix:
An eine Basis - hier Stamm/Wurzel oder Wort - anzufügender und anfügbarer unselbständiger sprachlicher Baustein, der damit eine neue (komplexere) Basis bildet; die Affigierung kann links der Basis (Präfix), rechts davon (Suffix) oder umschließend (Circumfix) vorgenommen werden. Im Deutschen gibt es Flexionsaffixe (Flexive) und Derivationsaffixe (Derivative). Bsp.: "verlachen", "Lacher", "gelacht".

Aktionsart:
Objektiv-lexikalische Konturierung/Aspektuierung von etwas Vorgängigem (konventionalisiert durch die Sprachgemeinschaft in der Verbbedeutung), das durch einen Sprecher zusätzlich noch aspektuierbar ist. Aktionsart und Aspekt sind prinzipiell unabhängig voneinander benutzbar, interagieren jedoch semantisch.

aktual:
Aktuell, gegenwärtig, tatsächlich; raumzeitlich verankert in der Welt, real.

Ambiguität:
Vieldeutigkeit lexikalischer oder grammatikalischer Art:
(I) Lexikalisch:
1) Homonymie: "Absatz" (Text vs. Schuh), "erhalten" (bekommen vs. bewahren), "wollen" (aus Wolle vs. wünschen) usw.
2) Polysemie: "Pferd" (Tier vs. Turngerät vs. Schachfigur), "schätzen" (achten vs. raten), "reizend" (bezaubernd vs. Reizung auslösend).
(II) Grammatikalisch:
1) Morphologisch: "Beamtenbeleidigung" (Beleidigung durch den Beamten vs. den Beamten treffende Beleidigung).
2) Syntaktisch: "einige hundert Jahre alte Bäume" (Bäume, die einige hundert Jahre alt sind, vs. ein paar einhundert Jahre alte Bäume).
3) Semantisch: "Ich werde Sie um die Ecke bringen" (wörtlich hilfsbereit vs. übertragen-idiomatisch drohend).
4) Syntaktisch-semantisch: "Der Chef braucht noch einen Termin" (einen weiteren Termin vs. überhaupt erst mal einen Termin).

amodal:
Von bestimmter kognitiver Modalität abstrahiert, d. i. formatübergreifende konzeptuelle Repräsentations- und Operationsweise mentaler Einheiten (z. B. logische Schlüsse wie "wenn X
= Y und Y = Z, dann folgt X = Z", was auf konkrete perzeptuelle Einheiten wie Gegenstände oder abstrakte konzeptuelle Entitäten wie Zahlen angewendet werden kann).

Aphasie:
Sprach- oder Sprechstörung aufgrund eines neurophysiologisch erworbenen Hirnschadens (z. B. durch Schlaganfall), d. h. das Sprach- und/oder Kommunikationswissen ist geschädigt worden.

Arbeitsspeicher:
1) KZG bei natürlichen Informationssystemen.
2) Elektronische Cache- und Hauptspeicher bei Computern.

Arbitrarität:
1) Willkürlichkeit der Beziehung zwischen Signifikat und Signifikant bei Zeichen, d. i. eine aus dem Bezeichneten nicht vorhersagbare Relation mit der Bezeichnung: Form/Ausdruck und Inhalt/Bedeutung haben nichts gemein und sind nicht auseinander herleitbar.
2) Willkürlichkeit bzw. Wahlfreiheit bei einer Regelformulierung (z. B. Realisations- und Gebrauchsregel eines Zeichens), d. h. nur die Konvention verhindert die Formulierung/Benutzung einer gleich guten Alternative.

Artefakt:
Künstlich hergestellter und zweckhafter (Gebrauchs)gegenstand.

Aspekt:
Subjektiv-grammatische, morphologische oder syntaktische Aspektuierung/Konturierung von etwas Vorgängigem (durch den jeweiligen Sprecher) hinsichtlich dessen Ausbreitung in der Zeit.

Attribute-Value-Matrix (AVM) (engl.):
Vgl. Attribut-Wert-Matrix.

Attribut-Wert-Matrix:
Liste von Attributen/Kennzeichen/Merkmalen und zugehörigen Werten/Belegungen, die einem bestimmten Typ (Wertemenge) angehören und eine Entität charakterisieren, z. B. [KasusAttribut1: NominativWert1, GenusAttribut2: FemininumWert2, ...] als Charakterisierung der syntaktischen Merkmale eines Wortes.

Ausdruck:
1) Ausdrucksaspekt eines (E-)Zeichens.
2) Vollständiges einfaches oder komplexes Zeichen (Wort/Satz).
3) Wort/Satz-Typ(e) einer Äußerung als abstraktes fehlerfreies linguistisches Idealkonstrukt.
Ein Ausdruck existiert nur 1-mal in einer Sprache.

Äußerung:
Eventuell fehlerbehaftete Realisierung eines Ausdrucks in einem bestimmten Kontext (inkl. Hörer[schaft], Ort, Zeit, Umstände) durch einen bestimmten Sprecher. Eine Äußerung existiert so oft, wie es die kontextbehaftete Realisierung des entsprechenden Ausdrucks durch einen Sprecher gibt.

Basis:
Stamm/Wurzel oder Wort (je nach lexikalischer Kategorie) als Eingabe für die Wort(formen)bildung.

Basiskategorie/-klasse:
Optimale Ordnungsstufe von Begriffen in einer Taxonomie in Bezug auf die Ausgewogenheit zwischen begrifflicher Allgemeinheit und Spezifität, die sowohl maximale interne Merkmalkonsistenz wie Kontrastierung zu Nachbarbegriffen gewährleistet. Solche Ausdrücke werden am häufigsten benutzt und von Kindern im Spracherwerb zuerst gelernt (wie z. B. "Hund" gegenüber dem allgemeineren und abstrakteren "Säugetier" oder dem spezifischeren "Dackel")

Baumdiagramm (syntaktischer Baum):
Grafische Darstellungsform für Syntagmen (strukturierte Wortgruppen), die deren Struktur aufzeigt und Zusammenhänge hinsichtlich der Abhängigkeiten der Wörter und Satzteile untereinander offenbart.

Bedeutung:
1) Kollektive und konventionale Verwendungsweise oder -regel eines Ausdrucks = (überindividuelle) Gebrauchsgewohnheit einer Sprecherschaft = 'wie man einen Ausdruck gebrauchen oder interpretieren kann/soll/darf' = das damit potenziell Sag- und Ausdrückbare, d. i. das semantische Wirkungspotenzial eines Ausdrucks unter Absehung vom einzelnen Sprecher und Kontext.
2) Mentales Äquivalent von 1) in Form eines Begriffs (der Kompetenz eines Sprechers zugehörig) als individuelle Verwendungs(eigen)art oder -regularität = (individuelle) Gebrauchsgewohnheit eines einzelnen Sprechers = 'wie einer einen Ausdruck einsetzt/versteht'.
3) E-sprachliche(s) Einheit (Werkzeug) des Kommunizierens.
4) Grammatische Funktion bei Funktionswörtern (mentales Programm, Prozedur), lexikalische Intension/Denotat(ion) bei Inhaltswörtern.
5) Oftmals auch im Sinne der Aktual- oder Kontextbedeutung gemeint, was in dem hier vorgestellten Zusammenhang aber (aktueller/kontextspezifischer) 'Sinn' genannt wird.
6) Gebrauchsregel, die als Allgemeingut-artig verfügbarer Ansatzpunkt oder Leitfaden der individuellen und kontextdeterminierten Deutung oder Auslegung einer Äußerung (via Begriffe) dient.

Bedingung:
Wenn-Dann-Formel; Regel, Regularität; Beschränkung.

Begriff:
1) Komplex aus konzeptuellen und perzeptuellen Merkmalen als Gebrauchsbedingungen oder -regularität, der die Gebrauchsgewohnheiten eines Sprechers hinsichtlich eines Ausdrucks determiniert und somit seine Anwendungs- und Aktivierungsumstände bestimmt.
2) Implementierung/Installation einer Gebrauchsregel (Bedeutung) als individuelle Regularität, die die potenzielle Referenz via Denotat(ionsmenge)/Komprehension festlegt und somit Entitäten klassifiziert bzw. repräsentiert (nur bei Inhaltswörtern).
3) I-sprachliche Einheit bzw. Werkzeug des Denkens und des Versprachlichens eines Gedankens.
4) Knoten einer Taxonomie (Begriffshierarchie).
5) Inhalt oder Funktion eines Wortes: das, was ein Sprecher als Sprecherkompetenz im Kopf trägt, wenn er verstanden/begriffen hat, wie man ein Wort verwendet (Begreifen/Kennen/Verstehen der Gebrauchsregel eines Ausdrucks, daher auch für Funktionswörter sinnvoll: Man kennt und begreift deren Verwendungsweise).
6) Komplex aus lexikalischem Konzept und Perzept (Prototyp, Vorstellung), der eine Art Mikrotheorie über eine Entität formt (damit auch den individuellen Gebrauch eines Ausdrucks bestimmt) und im LZG niedergelegt ist.

Beschreibungssprache:
Formale oder natürliche Sprache, in/mit der eine andere Sprache (Ziel-/Objektsprache) beschrieben wird.

Bottom-Up:
Parsingverfahren, bei dem ausgehend von den Wortkategorien eines Eingabesatzes versucht wird, anhand einer gegebenen PS-Grammatik solange immer wieder komplexere Konstituenten zu bilden, bis man beim Start-/Satzsymbol angelangt ist; eingabegesteuertes Verfahren, da die Ableitung einer Satzstruktur alleine durch den Eingabesatz angestoßen wird.

Broca-Areal:
Gehirnareal mit Sprachfunktion, das etwa an der Schläfe sitzt und grob für Sprachproduktion zuständig ist (Artikulation, Sprechmotorik; formale Aspekte der Sprache).

Datum/Daten:
Reiz-, Stimulus- oder Signalbündel als potenzielle Information, das uninterpretiert ist; das, woraus mit Hilfe einer Interpretationsinstanz eine Information für das die Daten interpretierende System gewonnen wird (z. B. ist Wissen aller Art Gegebenes = Datum, das im Interpretations- und Verarbeitungsakt in Aktion tritt, um ein Problem zu lösen; eine Datenbank enthält Daten als Wissen, aber keine Informationen, denn erst die Auswertung und Interpretation derselben gewinnt Informationen und damit einen Merhwert für das System).

Deklarativum:
Sprechakt(typ), der durch den bloßen Vollzug bereits (gesellschaftliche) Tatsachen/Relationen der Welt beeinflusst, z. B. "Ich ernenne Sie hiermit zum Vorsitzenden ...", womit die neue Position bereits bekleidet ist.

Deklination:
Flexion bei Nomen, Pronomen, Adjektiven und Artikeln.

Demonstratum:
Konkretes Objekt, das stellvertretend für ein anderes (abwesendes, unerreichbares) Objekt als Gegenstand der 'Demonstration' herhalten muss und so als zwischengeschaltetes Verweisobjekt fungiert, das zwischen Denotat und tatsächliches Referenzobjekt tritt (vgl. ISS-Beispiel im Buch).

Denotat:
1) Bedeutungskern, überindividuell-konventional determinierte Zentralbedeutung.
2) Bedeutete Entität(sklasse) bzw. Menge der möglichen/potenziellen Referenten (indirekt konventional durch die Sprecherschaft fixiert, da die Bedeutung eines Ausdrucks auch seine möglichen Referenten festlegt).

Denotation:
1) Denotierung.
2) Vgl. 'Denotat' im Sinne von 2).
3) Konventionale Kernbedeutung eines Ausdrucks, Denotat im Sinne von 1).

Derivativ:
Derivationsaffix.

Derivation:
1) Wortbildungsverfahren.
2) Ableitung einer Basis mittels eines Derivationsaffixes bzw. Nullmorphems zu einem neuen Stamm, um einen neuen Begriff zu erzeugen; dabei ändert sich meist die Wortart, sie kann jedoch auch erhalten bleiben, wenn die Ausgangswortart zufällig der Zielwortart entspricht. Bsp.: "Regensburg" zu "Regensburger", "lachen" zu "Lacher", "krach(en)" zu "Kracher".

Derivativum:
Ein aus einer Basis und einem Derivativ gebildeter neuer Stamm; Ergebnis der Derivation.

Direktivum:
Sprechakt(typ), der den Hörer zu etwas auffordert/bewegt oder etwas von ihm fordert, z. B. "Ich hätte gerne 1 Pfund Brot" oder "Geben Sie mir doch bitte 1 Pfund Brot".

Einstellung, intentionale (Intentionalität):
Die aktive oder passive, meist bewusste, teils willenhafte, empfindende und bewertende mentale Vereinnahmung und Interpretation eines (Satz)begriffs (Proposition) bzw. Inhalts, d. i. eine gerichtete und der Empfindung zugängliche Verknüpfung und mentale (unsprachliche, nicht-begriffliche) Haltung/Urteil des Geistes zu einem gerade an seinem Bewusstseinsfenster vorbeilaufenden konzeptuellen und/oder perzeptuellen Inhalt/Eindruck; die Herstellung und bewusste Aufrechterhaltung einer Information aus einem Datum durch Interpretation (d. i. Relevanzevaluation, Abschätzung der Folgen/Wirkungen/Wichtigkeit/Dringlichkeit für den Interpretierenden); Bezüglichkeit, Gerichtetheit und/oder Kenntnishabe/-nahme unseres Denkens hinsichtlich eines mentalen Objekts/Inhalts im Bewusstseinsfenster.

Einstellung, propositionale:
Eine begriffliche-semantische (Glaubens-)haltung oder Positionseinnahme des mehr oder weniger Wissens/Glaubens/Vermutens gegenüber einem anderen (Satz)begriff (Proposition), wobei ein neuer komplexer Begriff erzeugt wird, der dann seinerseits einer intentionalen Einstellung/Bewertung unterzogen werden kann: z. B. "Ich glaube, du spinnst" beinhaltet eine propositionale Einstellung "Ich glaube, dass X" und die intentionale Einstellung des Sprechers hinsichtlich der Absicht, den Hörer zu beleidigen, wobei Letzterer dann selbst die eigene intentionale Beurteilung/Erkenntnis des Beleidigtwordenseins einnimmt.

Entailment:
Sprachlich-semantische Implikation, die auf dem Inhalt von Propositionen operiert (z. B. VATER-VON(HANS,EVA) => TOCHTER-VON(EVA,HANS)).

Entität:
Ein konkretes oder abstraktes Ding/Etwas; eine Eigenschaft eines Dings oder eine Relation zwischen Dingen, Eigenschaften oder Relationen; ein Irgendetwas, das sich durch Merkmale kennzeichnen lässt; ein Seiendes, etwas Wesenhaftes, Wesenhabendes, das sich charakterisieren und damit von Anderem unterscheiden lässt.

Exemplar:
Ausprägung/Element/Instanz/Mitglied/Realisierung eines Typs, was selbst wieder ein Typ oder Exemplar sein kann (z. B. ein Exemplar des Typs Vogel ist der Typ Amsel, und ein Exemplar des Typs Amsel ist eine der unzähligen existierenden Amseln).

Expressivum:
Sprechakt(typ), der eine Einstellung des Sprechers gegenüber dem Hörer bezüglich eines bestimmten Sachverhalts ausdrückt, z. B. "Ich bedauere/bemitleide Sie wegen ..."

Extension:
1) Menge der existierenden Entitäten, die durch eine Intension denotiert und klassifiziert werden (können); Begriffsumfang, d. i. die Menge der unter den Begriff fallenden (im Sinne der durch den Begriff klassifizierbaren) Entitäten.
2) Oftmals auch im Sinne der Komprehension verwendet (Menge der vergangenen, gegenwärtigen, zukünftigen und gedachten Entitäten, die durch eine Intension definiert werden).
Die Intension bestimmt nicht immer vollständig die Extension (Beispiele siehe Buch).

Flexion (Flektion):
1) Wortformenbildung, Beugung; Deklination, Konjugation und Komparation.
2) Wortformung/-angleichung/-anpassung eines Stammes mittels eines Flexivs zu einem Wort, um Kongruenz mit syntaktischen oder Passung/Harmonie mit semantischen und/oder pragmatischen Faktoren herzustellen und somit den Einbau in syntaktische Strukturen zu gewährleisten (das Wort als die kleinste Einheit der Syntax, nicht der Stamm), ohne dabei einen neuen Begriff zu erzeugen, d. h. die begriffliche oder funktionale interne Konsistenz bleibt erhalten (im Gegensatz zur Wortbildung). Flexion ist vor allem Reflexion (außer)sprachlicher Gegebenheiten an der sprachlichen Oberfläche; der Begriff wird dabei verformt und verbogen, er 'bricht' aber nicht wie bei der Wortbildung.

Flexiv:
Flexionsaffix.

Fugenmorphem:
Semantisch unerhebliches, rein lautliches Kittmorphem zwischen zwei Basen bei der Komposition, das keine Flexion darstellt (Flexion ist in der Wortbildung ausgeblendet).

Funktionswort:
Wort, dessen Bedeutung in seiner grammatischen Funktion gesehen werden kann, daher als (kognitive) Operation oder (mentales) Programm implementiert ist und weder klassifiziert noch denotiert.

Gebrauchsweise:
Die Bedeutung eines Zeichens, d. i. wie man einen Ausdruck benutzt im Hinblick auf sein allgemein vereinbartes Referenzpotenzial (Denotat[ion]), Klassifizierungs- und Illokutionspotenzial, sowie Bestimmungen bzw. Beschränkungen hinsichtlich konnotativer, grammatischer und kontextueller Art (z. B. Wertung, Wortart, Stilebene) zur Begrenzung der Anwendungsreichweite eines Ausdrucks.

Gedanke:
1) Komplex aus einem Konzept(cluster) und/oder einer Begleitvorstellung (zusammen ein Begriff) plus einer darauf bezogenen Intention, die durch Interpretation gewonnen wurde (beinhaltet emotionale/rationale Wertung/Einstellung; Referenzetablierung, Setzung einer Illokution als sprachliche Intention, Abschätzung der Folgen/Wirkungen des Interpretierten [Perlokution]).
2) Sinnhaftes, Gemeintes, Informatives, Ergebniseinheit der mentalen Interpretation oder Konstruktion von sinnlich-perzeptuellen oder konzeptuellen Eindrücken.
3) Gedanke := Intention(ale Haltung) bezüglich eines (Satz)begriffs.

generisch:
Allgemein gültig und zeitlos, z. B. die Aussage "Wale sind Säugetiere" oder "Männer und Frauen passen nicht zueinander".

Geschlossenheit, informationelle:
Die Tatsache, dass alle Informationssysteme nur von und für sich selbst Informationen produzieren und keine Information von außen eindringt, sondern lediglich Daten in Form von Stimuli/Reizen, die erst evaluiert werden müssen. In der Bewertungsinstanz/-weise ist sozusagen die Persönlichkeit und der Charakter eines Informationssystems niedergelegt.

Gewohnheit:
Individuelle Regularität oder kollektive Regel.

Grammatik:
1) Dreiteiliges System aus phonologischen, morphosyntaktischen und semantischen Komponenten zur Beschreibung der Gesetzmäßigkeiten einer Sprache, um aus einfacheren Ausdrücken komplexere bilden zu können.
2) Zusammen mit dem entsprechenden Lexikon die eine Sprache definierende Komponente.
3) Struktur- und Prozessierungsystem aus Daten und Algorithmen zur Realisierung sprachlicher Äußerungen in einem Informationssystem.

Grammatiktheorie:
Theorie über den Aufbau von Grammatiken bezüglich ihrer Struktur und der strukturbildenden/-interpretierenden Prozesse.

Grammem:
Hier gebrauchter Begriff als Analogon zu 'Lexem' für die Darstellung grammatischer (außerlexikalischer) Strukturen und Prozesse.

Handeln:
Intentionales Verhalten; zweckgerichtetes Tun.

Handelnder:
Intentional-vorsätzlich und zielgerichtet agierende Person, deren (Sprech)handlung einen zieldienlichen Zweck verfolgt.

Handlung:
Zweckgerichteter Prozess bzw. Ergebnis eines intentionalen Tuns; das durch einen vorsätzlich Handelnden zweckhaft Vollzogene.

Homonymie:
Lexikalische Ambiguität ohne erkennbare Bedeutungsverwandtschaft zwischen Lexemen (Bsp. vgl. 'Ambiguität').

Hyperonym:
Oberbegriff (z. B. "Datenträger" ist Hyperonym zu "Diskette", "Festplatte" oder "CD").

Hyponym:
Unterbegriff (z. B. "bettelarm" ist Hyponym zu "arm").

Idiolekt:
Individuelle Sprache oder mentales Sprachsystem eines Individuums.

Idiom(atische Wendung):
Kaum oder nicht änderbare feste Fügung von Wörtern zu einer Wortgruppe (Phrase, Syntagma), die eine kaum oder nicht kompositionell vorhersagbare Bedeutung haben (z. B. "den Löffel abgeben", "Ottonormalverbraucher", "auf Gedeih und Verderb").

Illokution:
Illokutionärer Akt, bei dem Kommunikationwissen zur Lösung einer Kommunikationsaufgabe zum Einsatz kommt; sprachliche Intention, bestimmt durch die lexikalischen (Verb)begriffe einer Sprache/Kultur; das, was der Sprecher meint, worauf er hinauswill als das Gemeinte, der Sinn, das Gewollte.

Implikation:
1) Logische Implikation, basierend auf der Satzform ohne Rücksicht auf die Bedeutung: X => Y (d. h. Wenn X gegeben/gilt, dann (gilt) Y oder m. a. W. X impliziert Y).
2) Sprachlich-semantische Implikation, basierend auf der Bedeutung der Ausdrücke ohne Berücksichtigung des Kontexts (vgl. Hyp[er]onymie: X=Hund => X=Säugetier, d. h. aus der Gegebenheit von X=Hund folgt stets, dass X auch ein Säugetier ist).

Implikatur:
Pragmatische Implikation, basierend auf dem Zusammenspiel von Äußerung und Kontext, d. h. der Sprecher intendiert mehr mit seinen Worten, als gesagt wurde und bewirkt im Hörer eine Implikatur, die der Hörer herauszuarbeiten hat (Überbrückung der Diskrepanz zwischen Gesagtem und Gemeintem durch eine Inferenz).

Inferenz:
Schluss(folgerung).

Information:
1) (Intentional) interpretiertes Datum; bezüglich Relevanz, Wertigkeit, Neuigkeit, Nützlichkeit, Wesentlichkeit, Interessantheit und/oder (Aus)wirkung evaluierter Stimulus/Reiz/Signal; bei der Interpretation von Äußerungen speziell auch noch die Identifizierung von Entitäten aus dem Kontext und die entsprechende Referenzetablierung.
2) Der durch Interpretation herausgearbeitete Mehrwert einer Information gegenüber einem Datum.
3) Im umgangssprachlichen Sinne: Wenn einem eine Äußerung etwas sagt, dann ist das eine Information (man hat etwas davon); das setzt logisch voraus, dass man das Gesagte aber auch verstanden und damit interpretiert hat (zu sagen, man vermittele 'Informationen' beim Sprechen ist also ungefährlich, da man voraussetzt, dass das Gesagte schon verstanden werden wird).

Informationssystem:
Daten sammelndes, verarbeitendes (d. h. interpretierendes) und Informationen produzierendes System mit ZNS oder ZPE (Zentrale Prozessierungseinheit CPU), d. i. Mensch oder Computer.

Inhaltswort:
Wort, dessen Bedeutung als Begriff implementiert wird und das klassifiziert und denotiert.

Intension:
Begriffsinhalt, der zum Großteil die Extension bestimmt; Definition eines Begriffs durch semantisch-konzeptuelle und/oder perzeptuelle Merkmale.

Intention:
1) Als aktives Wollen: Vorsatz oder Zweck plus Ziel (eventuell zusätzlich schon mit Realisierungs-/Handlungs-Plan) für Handlungen bzw. Handelnde; das Gewollte, z. B. im Sinne einer Illokution (was will ich sagen/vermitteln/tun); der Vorsatz und das Ziel bestimmen die Zwecke der Handlungen; warum und wozu tue ich etwas (Grund/Herkunft/Motiv und Ziel)?
2) Als passives Werten: Einstellung, Geisteshaltung, Haltung, Beurteilung von/zu etwas (Interpretation); (Be-/Aus-)wertung/Interpretation des Gesagten zur Ergründung des Gemeinten bzw. Sinns; rationale und/oder emotionale Wertung/Einstellung zum aktuellen (Satz)begriff als Referenz etablierender und aufrechterhaltender (rand)bewusster mentaler Zustand.

intermodal:
Verschiedene kognitive Modalitäten (parallel) integrierend und verarbeitend, d. i. formatübergreifende konzeptuelle multimodale (aber nicht abstrakt-amodale) Repräsentationen und Operationen in unterschiedlichen mentalen Domänen/Modulen (z. B. lexikalische Begriffe aus konzeptuellen und perzeptuellen Merkmalen).

Interpretation:
Versuch und Ergebnis der Sinngewinnung aus einer Äußerung mit Hilfe des zugrunde liegenden Ausdrucks (d. i. konkret das sprachliche Wissen um die Bedeutung der beteiligten Wörter und die Weise ihrer Kombinierung in Form lexikalischer Begriffe und grammatischer Prinzipien) und des Kontextes; beinhaltet auch die Erkennung und Auflösung von Ambiguitäten, Referenzetablierung und -aufrechterhaltung, emotionale/rationale Bewertung usw.).

Interpretation, inkrementelle:
Sukzessive, parallel-überlappende, kaskadierte Interpretation einer Äußerung bzw. von Äußerungsteilen, die durch lexikalischen Zugriff und Anwendung grammatischer Prinzipien zugleich (aber versetzt) auf phonologischer, morphologisch-syntaktischer und semantisch-pragmatischer Ebene vonstatten geht (vgl. Bsp. im Buch).

Kategorie:
(Höhere) Klasse; Klasse von Klassen.

Klammerung, indizierte:
Art der kompakten Darstellung von eingeschachtelten Elementen einer Hierarchie (anstelle von Bäumen); der Index an einer Klammer gibt die Kategorie oder den Typ des Klammerausdrucks an (z. B. [[...]NP [...]VP]S).

Klasse:
(Nicht-leere) Menge von Entitäten, die über einen Satz von Eigenschaften charaktierisiert wird und somit bestimmt, welche Entitäten der Klasse zugehören und welche nicht.

Kognition:
Intellekt; Gesamtheit der geistigen/mentalen Strukturen und Prozesse.

Kohyponym:
Wort, das über ein mit einem anderen Wort gemeinsames direktes Hyperonym verfügt (z. B. sind "Hund" und "Katze" Kohyponyme bezüglich "Säugetier").

Kollokation:
Gruppe assoziierter Wörter, die (über)häufig gemeinsam auftreten (z. B. alle Idiome, aber auch Ausdrücke wie "sehr gut", "in der Regel", "in Besitz nehmen", "viele Grüße" usw.)

Kommissivum:
Sprechakt(typ), der Hörer und/oder Sprecher zu einem zukünftigen Verhalten hin verpflichtet, z. B. "Ich verspreche dir hiermit ...".

Kommunikation:
Wechselseitig durch zwei Redepartner aufeinander bezogene Sprechhandlungen oder (unsprachliches) intentionales Verhalten, das dem anderen jeweils etwas zu verstehen geben will; speziell sprachliche Kommunikation findet vor dem Hintergrund und mit Hilfe eines konventionalenen Zeichen- und Regelsystems statt.

Komparation:
Spezifische Flexionsform des Adjektivs und partiell Adverbs (Steigerung); beinhaltet Positiv (Normalform des Adjektivs), Komparativ (Steigerungs-/Vergleichsform) und Superlativ (Höchstform).

Kompetenz:
Sprachliches Wissen; Sprachfähigkeit.

Komplement:
(Notwendige) argumenthafte Ergänzung eines prädikativen Ausdrucks (d. i. Ausdruck, der zu seiner Vollständigkeit die Sättigung seiner Argumentstellen verlangt); Komplemente werden durch einen lexikalischen Kopf determiniert und können nur unter bestimmten Umständen weggelassen werden (z. B. "Hans wohnt in München" vs. "*Hans wohnt", "Hans ist stolz [auf Kurt]").

Komplementierer:
Komplement-einleitendes Wort (z. B. "dass/ob" als Einleiter eines von einem Verb abhängigen Satzes).

Komposition:
1) Wortbildungsverfahren.
2) Prozess bzw. Ergebnis der Kompositumsbildung, bei dem zwei (einfache oder komplexe) Basen zu einem (noch) komplexeren Stamm verknüpft werden, um einen neuen Begriff zu bilden.

Kompositionalitätsprinzip:
Prinzip der Konstruktion und vor allem Interpretation von Sätzen bzw. Äußerungen, welches besagt, dass jede komplexe Äußerung nur anhand der (lexikalischen) Bedeutung ihrer Wörter und den (grammatischen) Relationen zwischen ihnen bzw. der Weise ihrer Kombinierung interpretierbar sein soll. Dieses Prinzip ist mit ziemlicher Sicherheit unzureichend, denn man benötigt zumindest Kontextklassen (Frames) oder fast immer aktuale Kontexte zur angemessenen Interpretation einer Äußerung.

Kompositum:
Ein aus zwei Basen gebildeter neuer Stamm; Ergebnis der Komposition.

Komprehension:
Begriffsumfang, d. i. die Menge aller existenten, gedachten, vergangenen, zukünftigen und metaphysischen Entitäten, die durch den Begriff(sinhalt) bzw. die Intension denotiert/klassifiziert werden.

Kongruenz:
Syntaktischer Abgleich zwischen Wörtern innerhalb oder zwischen Wortgruppen bezüglich bestimmter Merkmale wie z. B. Übereinstimmung von Subjekt und Prädikat/Verb hinsichtlich Person und Numerus, Passung von Artikel und Nomen hinsichtlich Kasus, Numerus und Genus usw. Kongruenz wird im Deutschen durch Flexion realisiert.

Konjugation:
Beugung/Flexionsart des Verbs hinsichtlich Tempus, Modus, Person, Numerus, Genus Verbi.

Konnotation:
Mit- oder Nebenbedeutung (zusätzlich zur Denotation); allgemein konventionaler oder persönlich gefärbter Bedeutungszusatz.

Konstanz:
Eigenschaft von Zeichen, sich über einen gewissen Zeitraum als stabil zu erweisen, d. h. es sind nur langsame Veränderungen hinsichtlich ihrer Ausdrucks- oder Bedeutungsaspekte möglich).

Konstituente:
Strukturierte(r) und kategorisierte(r) Komponente (Teil) eines komplexeren Ausdrucks; lexikalischer oder grammatikalischer Bestandteil eines Satzes, einer Phrase oder eines Wortes.

Kontext:
1) Aktuelle Sprechumstände bezüglich der unsprachlichen Situation (Ort, Zeit, Gegenstände), des sprachlichen Diskurses (beinhaltend Kotext) und der Sprecher(schaft) wie Hörer(schaft).
2) Menge der aktuell aktivierten Konzepte und Vorstellungen (Begriffe), Stereotype (Rahmen), Emotionen, Wertungen usw. (im Sinne aktualen und generischen Wissens), welche die Interpretation einer Äußerung bedingen/beeinflussen.

Konvention:
Explizite/implizite Vereinbarung/Übereinkunft/Abrede/Regulierung; Kollektivgewohnheit; Regulierung per Regeldefinition; gegenseitige Erwartungshaltungen aufgrund der Tatsache, dass Kollektivgewohnheit nichts anderes ist als abgestimmte und aufeinander bezogene Individualgewohnheiten (somit Sanktionsverhalten bei Verletzung möglich, da ja alle die Gewohnheit kennen und über sie 'wachen' können); (un)abgesprochen abgestimmtes Verhalten; (un)ausgesprochener Konsens über etwas.

Konversion:
Unterart der Derivation, bei der ein phonetisch unauffälliges Derivativ benutzt wird, um eine Basis - Stamm/Wurzel oder Wort - abzuleiten (also durch ein spezielles Nullmorphem), welches jedoch syntaktische und/oder semantische Merkmale trägt (z. B. die Wortart), um die Derivation zu erreichen. Bsp.: "bau-en" zu "Bau" (Ableitung des Verbstammes) oder zu "(das) Bauen" (Ableitung eines ganzen flektierten Wortes, das aus dem Verbstamm gebildet wurde).

Konzept:
Komplex aus amodalen und/oder intermodalen Merkmalen, die eine operationale Ganzheit und empfundende Einheit formen; Teil eines Begriffs (zusammen mit Perzept); als Aktualkonzept Mitspieler eines Gedankens im Sinne der Inhaltsseite des Sinnes/Gemeinten.

Konzept, aktual:
Aktuell im KZG realisiertes Konzept, das keine lexikalische Entsprechung aufweisen muss, intentional bewertet (wenn Teil eines Gedankens); interpretiertes und sinnhaftes Bündel konzeptuell/perzeptuell-intentionaler amodaler und/oder intermodaler Merkmale.

Konzept, lexikalisch:
Menge von individuellen amodalen und/oder intermodalen Aktivations- bzw. Anwendungsbedingungen, die bestimmen, unter welchen Umständen ein Lexem wozu benutzt werden kann/soll (bei der Äußerungsproduktion); eine Bedingung kann z. B. konkret als Merkmal (Verwendung nur bei Zutreffen des Merkmals auf eine Entität), Assoziativverknüpfung (Begriffsrelation) oder Wenn-Dann-Formel realisiert sein, wobei es sich um deklaratives, assoziatives und prozedurales Bedeutungs-/Begriffswissen handelt; im Falle der Interpretation diejenige Menge von Kenntnissen, die helfen, ein Aktualkonzept zu (re)konstruieren und den Sinn einer Äußerung zu erschließen.

Konzeptkomplex:
Verknüpfung einzelner Konzepte durch konzeptuelle Relationen zu einem Gesamtkonzept (lexikalisch oder aktual).

Konzeptuelles/kognitives System:
Zentrales System der Kognition, an dem Integrations-, Inbeziehungsetzungs- und Umrechnungsprozesse verschiedener mentaler Formate stattfinden (Abstraktion/Begriffsbildung, Umsetzung Perzeption zu Motorik etc.); vergleichbar einem Mikroprozessor, der Inputs (des einen Formats) statistisch oder algorithmisch zu Outputs (eventuell eines anderen Formats) um-/verrechnet vor dem Hintergrund des aktuellen Systemzustands (Kontext).

Kopf:
Zentrales Element eines Wortes, einer Phrase oder eines Satzes, nach dem sich die Art des Gesamtausdrucks richtet (in Bezug auf syntaktische und/oder semantische Merkmale); Kopfelemente werden komplementiert und/oder spezifiziert (modifiziert); er ist Träger der elementaren Merkmale und des Charakters einer Konstruktion, 'Oberhaupt' einer Phrase oder eines komplexen Wortes.

Kopulativkompositum:
Kompositum, dessen beide Basen durch eine konzeptuelle UND-Relation verknüpft sind, wobei die Reihenfolge der Basen ohne Bedeutungsänderung umstellbar sein sollte (z. B. "blaugrün gestreift" oder "grünblau gestreift" = jeweils "grün und blau gestreift".

Kotext:
Sprachlicher naher Kontext um das Geäußerte herum; der in einem (Ab)satz um einen bestimmten Ausdruck herum zugehörige Text.

Kraft, illokutive/illokutionäre:
Durch lexikalische oder grammatikalische Mittel realisierbare sprachbasierte Intention (Illokution), die durch ein Verb und/oder die Satzform (in)direkt umgesetzt wird; das, was der Sprecher bewirkt und worauf er hinauswill. Ein Verb mag mehrere illokutive Rollen/Kräfte realisieren, vgl. "warnen": Warnung, Drohung, Ratschlag.

Kurzzeitgedächtnis (KZG):
(Rand)bewusster Arbeitsbereich der Kognition, der auf/mit Tokens (Aktualentitäten) operiert.

Langzeitgedächtnis (LZG):
Unbewusster Hintergrundspeicher für Wissen und Fertigkeiten aller Art in Form von Types.

Lautbild:
Mentales Äquivalent zum Ausdrucksaspekt eines Zeichens; die lautliche (systematische) Realisierung einer Äußerung (Satzes).

Lautgestalt:
(Hier) Ausdrucksaspekt eines E-Zeichens.

Lesart:
Eine der Interpretationsweisen eines ambigen Ausdrucks.

Lexikologie:
Lexikontheorie; Theorie über den Aufbau eines/des Lexikons.

Lexikon:
Assoziativ verknüpfte Liste bzw. Netzwerk lexikalischer Einheiten (Lexeme: Morpheme und Idiome); Behälter für die Grundbausteine der Sprache, die als Eingabe für die Grammatik fungieren.

Lexem:
1) Eintrag/Einheit des Lexikons (lexikalisches Element) auf der Affix-, Stamm-, Wort- und Kollokations-/Idiom-Ebene; vielgestaltiger Komplex aus formalen plus denotativen und konnotativen Merkmalen (Lautbild und Schriftbild, Morphologie und Syntax, Semantik und Pragmatik: Grundkategorie, Theta-Rollen, Assoziativa, Bedeutungs- und Spezialwissen, Prototyp, Wertungen, Stilebene, emotionale Begleiterscheinungen).
2) Zeichen im Sinne eines Tripels aus formalen (Lautbild/Ausdruck), grammatischen (u. a. Zeichen-Kategorie) und inhaltlichen (Begriff/Bedeutung) Merkmalen.

Linearität:
Eigenschaft von Zeichen, in der Rede (parole) sequenziell realisiert und interpretiert zu werden, im System der Sprache (langue) jedoch parallel nebeneinander stehend zu sein.

Linguistik:
(Allgemeine) Sprachwissenschaft. Wissenschaft der Untersuchung von 'Sprache' unter verschiedenen Blickwinkeln:
(Die) Sprache an sich als die nur der Spezies Mensch eigene, grundsätzliche Fähigkeit der Beherrschung irgendeiner oder mehrerer Sprache(n); als Merkmal des Homo sapiens unter evolutionären Gesichtspunkten; als Universelle Grammatik im Hinblick auf die alle Sprachen auszeichnenden Charakteristika unabhängig von einer bestimmten Einzelsprache; als das System Sprache mit einer bestimmten (in sich geschlossenen) eigenen grundlegenden Struktur zusammen mit entsprechenden strukturmanipulierenden Prozessen; beinhaltend auch die grundsätzlichen Methoden und die Terminologie(n) einschließlich Begriffssystem(e) und Taxonomie(n) zur Untersuchung und Repräsentation der oder einer Sprache; im Sinne Saussures 'le (faculté du) langage' bzw. 'la langue', d. i. die Sprache als solche qua menschliches Natur-/Kultur-Gut.
I) Diachrone Sichtweise (im Sinne der Dynamik einer oder mehrerer Sprachen in der Zeit):
Die Entstehung und Entwicklung der Sprache als evolutionäres und nur dem Menschen eigenes Gut; die Entstehung und das Vergehen bestimmter Sprachen oder ganzer Sprachfamilien; die Erkennung der historischen Zusammenhänge verschiedener Sprachen und die Klassifizierung zu Sprachfamilien; die Kategorisierung von Sprachen hinsichtlicher typologischer Merkmale, d. h. Auffinden von Gemeinsamkeiten zwischen nicht verwandten Sprachen zur Herausarbeitung universeller Merkmale (unabhängig von deren Stammbaum); Untersuchung des Wandels einer Sprache durch interne und/oder externe Einflüsse (Mischung von Sprachen und Kreation neuer Sprachen).
II) Synchrone Sichtweise (auf den gegenwärtigen, mehr oder weniger statischen Zustand einer Sprache bzw. des Sprechens vor dem Hintergrund einer Sprache):
1) Die Sprache im Sinne einer bestimmten Einzelsprache als interindividuelles Kommunikationswerkzeug und verteilt-kollektives Wissensgut einer Sprecherschaft zur 'Lösung' kommunikativer Aufgaben, verankert in einer bestimmten Kultur zu einem gegebenen Zeitpunkt; Vorrat aller Zeichen, Regeln und sonstigen Eigenheiten einer Sprache, aus dem ein(e) Sprecher(schaft) beim Sprechen potenziell schöpfen kann; als Einzelsprachsystem abstrahierend vom einzelnen Sprecher und von (s)einem konkreten Äußerungskontext, daher vielmehr Merkmal einer Sprachgemeinschaft und abstrakter Gegenstand einer Kommunikationstheorie; die Untersuchung einer Sprache im Hinblick auf ihr Gesamtinventar an Zeichen und Regeln (zur Verknüpfung der Zeichen, um neue Zeichen hervorzubringen), d. h. die Aufstellung eines Systems aus lexikalischen Grundelementen (Lexikon) und grammatischen Konstruktionsprinzipien (Grammatik) zur Formung von Sätzen; Beschreibung der miteinander verwobenen und wechselwirkenden Einheiten und Prinzipien einer Sprache, d. h. Bestandsaufnahme, Vergleich und Abgrenzung der gedachterweise zugleich/parallel existenten Zeichen und Regeln, die gegenwärtig in einer Einzelsprache kursieren und zirkulieren; im Sinne Saussures 'la langue (française/allemande)' als das, was eine (bestimmte) Einzelsprache ihrem Wesen nach ausmacht; E-Sprache; z. B. das Deutsche, die deutsche Sprache.
2) Die idealisierte Sprache eines prototypisch-perfekten Individuums einer Sprachgemeinschaft im Sinne seiner kognitiven Fähigkeiten, mit Hilfe seiner sprachlich-grammatischen und kommunikativ-pragmatischen Kenntnisse kognitive und kommunikative Aufgaben lösen zu können; Untersuchung der mentalen und neurophysiologischen Voraussetzungen des Habens/Kennens und Benutzenkönnens einer Sprache, der kognitiven Struktur der Sprache als (eigenständiges) mentales System/Modul und deren Ein- und Anbindung an die gesamte Kognition; im Sinne Saussures am ehesten 'la faculté du langage' (Sprachfähigkeit) sowohl im Hinblick auf die phylogenetische wie ontogenetische Sprachbegabung des bzw. eines Menschen (Art oder Vetreter der Art), und auch hinsichtlich der grundsätzlichen sowie speziellen Befähigung des oder eines Menschen zu der bzw. einer (bestimmten) Sprache (als Baby grundsätzlich sprachbegabt qua Mitglied der sprachbegabten Spezies Mensch, als Erwachsener Deutscher zu tatsächlichem Deutsch befähigt); im Sinne Chomskys 'Kompetenz'; I-Sprache; ein Deutsch (Idiolekt eines Sprechers).
3) Sprache im Sinne des aktuellen Benutzens seiner Sprache (im Sinne von 2) beim Sprechen oder Verstehen von Deutsch etc.; (empirische) Untersuchung und Modellierung der kognitiven und neurophysiologischen Abläufe/Prozesse beim Sprechen bzw. Verstehen und Kommunizieren (z. B. durch Psycholinguistik, Computerlinguistik); im Sinne Saussures 'parole', im Sinne Chomskys 'Performanz'; im Ganzen eher A-Sprache (d. i. parole+Performanz); aktuelles Sprechen.

Logopädie:
Lehre von den (durch Krankheit oder Unfall erworbenen) Sprachstörungen und ihrer Behandlung.

Lokution:
Lokutiver Akt, bei dem lokutives Wissen, also lexikalisch-grammatisches Wissen zum Einsatz kommt (individuell in der Kompetenz gespeichert); das wörtlich Gesagte und Bedeutete.

Mehrwert:
Das bei der Interpretation von Daten Dazugewonnene/Hineininterpretierte/Herausgelesene hinsichtlich Relevanz, Neuigkeit, Wichtigkeit, Dringlichkeit usw.; die Differenz zwischen uninterpretiertem Datum und kognitiv produzierter Information.

Merkmal:
Eigenschaft, Charakteristikum, Attribut; (Gebrauchs)bedingung.

Meronomie (Meronymie):
Teil-Ganzes-Hierarchie.

Metasprache:
(Beschreibungs-)Sprache, in der Aussagen/Modelle über andere (Objekt-)Sprachen formuliert und formalisiert werden.

Mikrotheorie:
Individuell-mentales Pendant eines überindividuellen Stereotyps; Begriff als individuelle Theorie über eine Entität.

Modalität:
Neurophysiologisch und/oder mental eigenständiges System, das eine eigene Struktur- und Prozessierungsqualität definiert (fünf externe Sinne plus innerer Sinn, Sprache, Motorik und eventuell weitere); kognitive Repräsentations- und Operationsdomäne (mentales Format).

Modifizierer:
Spezifizierendes sprachliches Element, das einen Kopf (eher semantisch als syntaktisch) modifiziert/determiniert hinsichtlich verschiedener Merkmale.

Morphem:
Kleinste sprachlich-lexikalische Einheit mit eigener Bedeutung im Sinne eines Inhalts oder einer Funktion/Operation.

Morphem, unikales:
Morphem, das nur ein einziges Mal in einer Sprache auftritt, z. B. "kunter" aus "kunterbunt".

Morphologie:
Lehre von den Wörtern und Wortbestandteilen (Lexikon) und vom Aufbau von Wörtern (Grammatik).

Negation:
(Logische) Verneinung.

Nullmorphem:
Theoretisch angenommenes, phonetisch leeres Morphem - z. B. in der Realisierung als Derivations- oder Flexionsaffix -, das jedoch syntaktisch-semantische Funktionalität hat; aus der Verschiedenheit der Ableitungs- oder Flexionsprozesse mittels Nullmorphemen folgt, dass es mehrere verschiedene Nullmorpheme geben muss, die allesamt phonetisch unauffällig sind, aber syntaktische und/oder semantische Veränderungen an der Basis vornehmen und somit entsprechende Merkmale tragen bzw. dem Zielwort hinzufügen. Beispiele sind der lautlich mittlerweile unmarkierte Dativ bei Nomen und das Präsens bei Verben (beides Flexion) oder Konversionen wie "Halt" aus dem Verbstamm von "halt-en".

Objektsprache:
Zielsprache; die durch eine Metasprache zu beschreibende Sprache.

Onomatopoetikum:
Lautmalerisches Wort, das phonetisch einen Aspekt dessen in sich trägt, was es denotiert (z. B. "Kuckuck", "zischen"), mithin eine lautliche Ähnlichkeit mit dem Bezeichneten aufweist. Onomatopoetika müssen keine Ikone sein, sondern werden durch häufigen Gebrauch zu Symbolen.

Ontogenese:
Die Entwicklung eines Einzelwesens im Milieu.

Parser:
Satzzerleger/-analysierer und Erzeuger grammatischer Struktur (auf Basis einer gegebenen Grammatik).

Parsing:
Prozess des Zerlegens bzw. strukturellen Interpretierens eines komplexen Ausdrucks.

Performanz:
Mentaler Prozess, der durch einen 'Prozessor' gesteuert wird, der gespeichertes Wissen (Kompetenz) aktiviert/interpretiert und auf den aktuellen Dateninput anwendet; im Computerjargon der Prozess des Laufenlassens (Interpretierens, Abarbeitens) eines Computerprogramms, das aus einem deklarativen (Variablen, Daten) und prozeduralen (Prozeduren, Unterprogramme, Operationen) Teil besteht.

Performativität:
1) Eigenschaft von Verben, ihre illokutive Rolle explizit markieren zu können (z. B. "Ich behaupte, dass ...").
2) Eigenschaft von Sprechakten, im Grunde immer eine Handlung zu vollziehen (auch konstatierende Äußerungen, Urteile usw. und nicht nur deklarative Sprechakte wie "Ich ernenne Sie ...").

Perlokution:
Perlokutiver Akt, bei dem (außer)sprachliches Wissen über die Folgen/Wirkungen einer Sprechhandlung zum Einsatz kommt; das Bewirkte, der weitere Effekt und die damit verknüpften Verpflichtungen.

Perturbation:
'Störung' eines Informationssystems, d. i. ein von intern oder extern eintreffendes Datenpaket, das weitere Prozesse (eventuell der Datenauswertung und Evaluation) anstößt.

Perzept:
Komplex aus perzeptuellen (sinnlichen) Merkmalen einer oder mehrerer Modalitäten, die eine operationale Ganzheit und empfundende Einheit formen, als Wahrnehmungseinheit einer Entität der Außen- oder Innenwelt (Gefühl[smix], Vorstellung, Körperperzept).

Perzept, aktuales:
Intentional bewertete Wahrnehmung bzw. Sinneseindruck im KZG (klassifiziert und in der Wirkung/Folge abgeschätzt [relevant/gefährlich für mich?] usw.); Vorstellungsanteil eines Gedankens (Begleitvorstellung zu Konzept[komplex]); Aktualvorstellung, Imagination; sinnlicher Anteil eines Gedankens.

Perzept, lexikalisches:
Lexikalisch fixierte Durchschnitts-Vorstellung/Repräsentation einer Entität, abstrahiert aus realen Wahrnehmungen derselbigen; mentaler Prototyp einer Entität als deren kognitive Durchschnitts-Verkörperung.

Phon:
Als Einheit der 'parole' bzw. Phonetik ein gesprochener Laut, bestimmbares Segment eines Lautkontinuums; universaler Laut des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) mit bestimmten Merkmalen hinsichtlich der Artikulationsweise, z. B. Artikulationsort (Lippen, Zähne, Stimmbänder etc.), -dauer und -höhe; neben der Realisierung eines Phonems einer Einzelsprache als (verschiedene) Phon(e) ist das Phon wohl auch eine Einheit 'der Sprache als solcher' im Sinne der grundsätzlichen menschlichen Sprechfähigkeit (unabhängig von einer Einzelsprache), widergespiegelt im IPA.

Phonem:
Als Einheit der 'langue' bzw. Phonologie ein (abstrakter) Laut bzw. eine Lautklasse, die distinktive (unterscheidende) Merkmale aufweisen und sich so von anderen Phonemen innerhalb desselben Systems einer Einzelsprache abgrenzen lassen, wobei die Funktion und der Wert eines Lautes innerhalb der Grammatik dieser Einzelsprache relevant ist (und nicht die artikulatorischen, akustischen oder auditiven Merkmale wie bei einem Phon, also unabhängig von einer bestimmten Sprache), sichtbar z. B. in der bedeutungsunterscheidenden Funktion von /g/ vs. /k/ in Wörtern wie "Gabel" vs. "Kabel" oder "Lagen" vs. "Laken"; Phoneme lassen sich konkret als ein oder mehrere Phone (Allophone) realisieren (das Phonem /t/ des Deutschen etwa als Phon [t] ohne Aspiration oder [t
h] mit Aspiration, was aber die Bedeutung eines Wortes wie "Tag" - gesprochen [ta:k] oder [tha:k] - gerade nicht beeinflusst).

Phrase:
Grammatische Kategorie zwischen Wort und Satz (jeweils inklusive) mit einem Kopfelement; strukturierte Wortgruppe mit zentralem Element, um das herum Ergänzungen wie Spezifizierer, Komplemente und Adjunkte angefügt werden.

Phrasenstruktur:
Innere syntaktische kategoriale Struktur einer Phrase.

Phrasenstrukturregel (PS-Regel):
Grammatische Regel zum Aufbau oder zur Analyse komplexer Syntagmen mit der Form X = Y [+ Z [ + ...]], wobei Y etc. Wort- oder Phrasenkategorien sind, z. B. PP = P+NP, S = NP+VP.

Phylogenese:
(Evolutionäre) Entwicklung einer Art in ihrem Lebensraum.

Polysemie:
Lexikalische Ambiguität mit Bedeutungsverwandtschaften innerhalb eines Lexems (Bsp. vgl. 'Ambiguität').

Prädikat:
Ausdruck, der ein oder mehrere (semantisch-konzeptuelle) Argumente benötigt, um vollständig zu sein; Ausdruck, der einem Argument eine Eigenschaft zuschreibt (einstellig) oder eine Relation zwischen den Argumenten stiftet (mehrstellig).

Prädikat-Argument-Struktur:
Hierarchisch gegliedertes Konstrukt, das aus einem Prädikat und einem oder mehreren Argumenten besteht, wobei jedes Argument selbst wieder eine Prädikat-Argument-Struktur sein kann.

Prädikatenlogik:
Logisches Darstellungsinstrumentarium aus Prädikaten, Argumenten und Operatoren zur semantischen Formalisierung von Sprachen.

Präsupposition:
Semantische oder pragmatische 'voraussetzende' Schlussfolgerung aus einem Ausdruck, die auch bei dessen Verneinung erhalten bleibt, z. B. "Charlie schläft (nicht)" unterstellt sozusagen, dass es sich bei Charlie um ein Tier oder einen Menschen handeln muss, aber nicht um einen Baum, ein Auto oder einen Berg gleichen Namens.

Priming:
Unbewusste (assoziative) Voraktivierung von Wissensinhalten und benachbarten Wissenseinheiten, die bei tatsächlichem Zugriff dann schneller verarbeitet werden können.

Proposition:
Komplex aus durch Prädikatsbegriffe verknüpften Argumentbegriffen, die einen komplexeren Satzbegriff (Proposition) formen; semantische Versprachlichung eines unsprachlichen Konzept(komplexe)s bzw. einer komplexen Gebrauchsregel; einen Sachverhalt oder eine Gegebenheit beschreibender Bedeutungs- oder Begriffskomplex, der wahr oder falsch sein kann; auf der Ebene der Sprache gehören Illokution und Proposition zusammen (Sprechakt), auf der außersprachlichen gedanklichen Ebene Intention und Konzepte/Perzepte.

Protosprache:
1) Rudimentäre natürliche Sprache ohne Funktionswörter und Grammatik (ähnlich Pidginsprache).
2) Theoretisch rekonstruierte, nicht mehr existente vollwertige Sprache.

Prototyp:
Mentales (lexikalisches) Durchschnittsbild/-vorstellung eines Gegenstands; zusammengesetzt aus perzeptuellen Merkmalen aller Modalitäten (nicht nur visuelle); der Prototyp bildet zusammen mit einem lexikalischen Konzept einen Begriff.

Prozessor:
1) Sprachverarbeitungssystem, das im Performanzakt das (außer)sprachliche Wissen (grammatische und pragmatische Kompetenz) rekrutiert, um ein Kommunikations'problem' zu lösen.
2) Kognitiv-konzeptuelles System bzw. Interpretator, die verschiedene Wissensstrukturen und Aktualdaten (Input) verarbeiten/interpretieren und kognitive Operationen durchführen.
3) Zentrale Recheneinheit eines Computers (CPU), die alle peripheren Geräte (Ein- und Ausgabe) steuert, bzw. das kognitive Pendant eines natürlichen Informationssystems in Form des ZNS.
Achtung: Auch prozedurales Wissen gehört der Kompetenz an, solange es nicht aktiviert und benutzt wird; es stellt eine Art mentales Programm dar, das durch den Prozessor in entsprechender Weise benutzt und ausgeführt wird. Deklaratives und assoziatives Wissen wird nur auf eine andere Weise als prozedurales verarbeitet/interpretiert.

PS-Grammatik:
Eine durch PS-Regeln definierte Sprache, die grammatische (z. B. NP = Art+N) und auch lexikalische 'Regeln' beinhaltet (z. B. N = "Hund").

Referent:
Entität(smenge), auf die mit einer Äußerung (Sprechakt) durch den Sprecher Bezug genommen wird.

Referenz:
Bezugnahme eines Sprechers in einem Sprechakt auf eine reelle oder ideelle Entität(smenge) des Kontexts.

Regel:
1) Bedingung (Wenn-Dann).
2) Konventionale überindividuelle (implizite oder explizite) Definition einer Gesetzmäßigkeit.
3) Begründung einer Gesetzmäßigkeit durch mindestens zwei Personen, die ihre konformen Individualgewohnheiten (Regularitäten) gleichschalten zu kollektiver Gewohnheit und damit zugleich eine Konvention ([un]abgesprochen abgestimmtes Verhalten) begründen.
Die Abweichung von einer Regel/Konvention muss erkennbar, möglich und damit auch prinzipiell sanktionierbar sein; die Regelkonstitution setzt voraus, dass es gleich gute Alternativen und/oder Ausnahmen gibt.

Regularität:
Hier die individuelle Gewohnheit/Gesetzmäßigkeit ohne Möglichkeit der Sanktionierung (da keine Überwachung durch andere, sofern nur einer die Gesetzmäßigkeit kennt); bei Nichtbeachtung der Gewohnheit liegt (nur) Inkonsequenz des Individuums vor, aber keine Regelverletzung; die Regularität stirbt mit dem Individuum (z. B. der Idiolekt als Sammlung individueller Regelhaftigkeiten), eine entsprechende Regel nicht (eine Sprache verschwindet erst mit ihrem [vor]letzten Sprecher); gleichgeschaltete, aufeinander abgestimmte und wechselseitig bekannte Regularitäten einzelner Individien können eine überindividuelle Regel begründen (vgl. Bsp. im Buch), wie es stets in einer natürlichen Sprache der Fall ist.

Regel vs. Regularität:
Eine Regel ist die Eigenschaft eines Kollektivs (z. B. einer Sprachgemeinschaft), eine Regularität die eines Einzelnen (z. B. Sprecher). Das Sprachsystem (E-Sprache) ist 1-malig und konstituiert durch eine Menge von Regeln (Kollektivgewohnheiten, Konventionen) in den Symbolen des E-Lexikons und den grammatischen Regeln der E-Grammatik, das individuelle Sprachsystem (I-Sprache) ist N-malig (N=Anzahl Sprecher) existent und die Summe individueller Regularitäten, realisiert in den persönlichen Gebrauchsbedingungen der kognitiv im Lexikon verankerten Begriffe und den je eigenen mentalen Prinzipien der grammatischen Komplexbildung (von Morphemen zu Wörtern und Wörtern zu Sätzen).
Da die Installation/Implementierung des kollektiven Systems einer Einzelsprache (E-Sprache) als individuelles Sprachsystem (Idiolekt, I-Sprache) im Spracherwerb nahezu 'perfekt' oder doch zumindest sehr gleichförmig ist, konstituieren und bestärken die individuellen Sprachsysteme das kollektive Sprachsystem, das zigfach verteilt auf die Sprecher in deren Idiolekten konserviert ist. Die weitgehende Gleichförmigkeit der Idiolekte erlaubt auch die Erkennung von Abweichungen von einer Regel durch Vergleich mit den je individuellen Entsprechungen derselben. Dies wäre nicht möglich ist, wenn eine Regelmäßigkeit/Gewohnheit tatsächlich nur einer kennen/begründen würde, ohne dass andere davon Kenntnis erlangten. Daher kann einer alleine auch nicht von (s)einer derartigen Gewohnheit/Regularität abweichen, sondern er kann bestenfalls inkonsequent sein, da es sich ja nicht um ein allseits bekanntes Kollektivgut wie eine Regel handelt, von der andere auch noch Kenntnis haben: Erst wenn mindestens ein Weiterer die Gewohnheit/Regularität kennt, ist ein Vergleich beider möglich und sind folglich Differenzen (Abweichungen) erkenn- und sanktionierbar (Vergleich und Differenzbildung erfordern mindestens zwei Operanden). Damit ist aber ein überindividuelles System erschaffen, von dem zwei oder mehr Kenntnis haben: Eine Regel oder Kollektivgewohnheit (Konvention) ist begründet, die als Maßstab des Vergleichs dient.
Die Kenntnis des Sprechers von einer Regel (realisiert z. B. in einem Begriff als Komplex aus individuellen Gebrauchsbedingungen) ist zwar stets unvollständig und unperfekt (da eine Regel nur stichprobenartig im Spracherwerb erschließbar ist), sodass der Einzelne seine eigene Systematik (Summe von Regularitäten des I-Sprachsystems) begründet, sie ist jedoch mit den Systematiken aller anderen Sprecher soweit in Übereinstimmung, dass jeder Sprecher Differenzen (z. B. grammatische Verletzungen oder abweichenden Wortgebrauch) anhand seines eigenen Idiolekts erkennen und potenziell sanktionieren kann ("das sagt man so aber nicht"). Genau genommen ist jedoch jeder Idiolekt sein eigenes in sich geschlossenes logisches System, das kein anderer vollständig kennen kann und folglich auch nicht wirklich von außen bewertbar ist hinsichtlich richtig oder falsch/abweichend (vgl. z. B. die Problematik "wegen" + Genitiv/Dativ).

Repräsentation:
Art der Darstellung, Implementierung, Symbolisierung oder Verkörperung einer Entität in der Kognition. (Nicht zu verwechseln mit Stehen-Für-Relation!).

Repräsentativum:
Sprechakt(typ), der den Sprecher auf die korrekte Darstellung, Wiedergabe oder Gegebenheit eines Sachverhalts verpflichtet, z. B. "Ich behaupte/berichte, dass ..."

Rolle, illokutive/illokutionäre:
Vgl. Kraft, illokutive/illokutionäre.

Satz:
(Vor)theoretisches Gebilde, das aus der intuitiven und/oder wissenschaftlichen Betrachtung und Auswertung von Äußerungen entstanden ist; das, was in der Schriftsprache zwischen den Satzzeichen ".", ":", ";", "?", "!" steht.

Sinn:
Das Gemeinte, das nicht-wörtlich und indirekt Gesagte, die aktuelle kontext- und sprecher-/hörerbezogene 'Bedeutung'; Information(shaftes); (Informations-)Gehalt eines Gedankens; das durch die Interpretation einer Äußerung Gewonnene.

Speicher:
1) LZG und KZG bei natürlichen Informationssystemen.
2) Verschiedene Speichertypen bei Computern für kurzfristige und schnelle oder langfristige und dauerhafte Speicherung.

Sprache:
Ein Lexikon plus eine zugehörige Grammatik - üblicherweise existieren entsprechend gedruckte Lexika und Grammatiken für eine bestimmte Sprache, sofern diese überhaupt über eine Schrift verfügt; Sprachsystem einer bestimmten Einzelsprache oder Idiolekt eines Sprechers dieser Sprache (individuelles 'Sprachsystem'); Zeichen- und Regel-/Prinzipiensystem, das die Kognition und Kommunikation unterstützt. Als überindividuelles Sprachsystem zur Lösung von Kommunikationsaufgaben geeignet, als individuelles System (Idiolekt) zur Lösung von Denkaufgaben (z. B. Begriffsbildung, Kategorisierung, Schlussfolgern, Speichern von Inhalten).

Sprachliches Wissen, Wollen und Wirken:
Lokution (mit Hilfe seiner Sprachkompetenz Gesagtes), Illokution (im Performanzakt damit Gemeintes) und Perlokution (durch Performanzakt Bewirktes).

Sprachvermögen:
Grundsätzliche phylogenetische und/oder ontogenetische Fähigkeit des Menschen, eine natürliche Sprache erwerben, beherrschen und benutzen zu können; spezielle Fähigkeit, eine oder mehrere bestimmte Sprache(n) prinzipiell sprechen zu können oder tatsächlich zu sprechen.

Sprachwissenschaft, Allgemeine:
Vgl. Linguistik.

Stamm:
Träger einer lexikalischen Bedeutung bzw. eines Begriffs (nur bei Inhaltswörtern), die Wortbildungs- und/oder Flexionsprozessen unterworfen werden können, um neue Stämme oder Wörter hervorzubringen.

Syntagma:
Gruppe zusammengehöriger Wörter mit interner syntaktischer Struktur, die zusammen einer bestimmten syntaktischen Kategorie zugeordnet werden können.

Taxonomie:
Begriffshierarchie; Baum/Pyramide hierarchisch geordneter Ausdrücke vom Allgemeinsten zum Speziellsten.

thematische Rolle:
Vgl. Theta-Rolle.

Theta-Rolle:
Eine Art sprachlich-konzeptuelle Grundkategorie, die den an einer Situation oder an einem Ereignis beteiligten Entitäten eine zusätzliche Bedeutungskontur hinsichtlich der Rolle verleiht, die eine Entität im beschriebenen Vorgang einnimmt. Aufgrund der Gebundenheit an Vorgängiges werden thematische Rollen fast nur von Verben bzw. deren Bedeutung determiniert (mit einem gewissen Abweichungs-Spielraum für den Sprecher).

tip-of-the-tongue:
Das 'Auf-der-Zunge-Liegen', d. i. das Wissen, was man sagen möchte, ohne einen entsprechenden Ausdruck hierfür auffinden zu können.

Token (engl.):
Realisierung eines Types; aktuales Exemplar eines Types, der als typisierte Vorlage zur Herstellung einer Instanz dient (Ausprägung/Instantiierung eines Types).

Top-Down:
Parsing-Verfahren, bei dem vom Satz-/Startsymbol aus (Kategorie 'Satz') PS-Regeln aufgespalten werden, bis alle Kategorien terminal sind und auf Wortkategorien des Eingabesatzes passen; erwartungsgesteuertes Verfahren, da durch Aufspaltung Satzmuster entsteht, das eine bestimmte Folge von Wortkategorien erwarten lässt, z. B. [[Art N]NP [V [Art N]NP]VP]S.

Type (engl.):
Vorlage/Schema/Schablone/Muster eines bestimmten Typs zur Erzeugung von Tokens; Kategorie/Klasse; z. B. Prototyp, Stereotyp oder ein(e) Type auf der Schreibmaschine zur Hervorbringung tatsächlicher Tokens (Buchstaben) auf dem Blatt.

Unifikation:
Vereinigung samt Abgleich zweier AVMs im Hinblick auf deren Konsistenz bzw. Widersprüchlichkeit und Informationsgehalt.

Universalgrammatik:
Die alle Sprachen kennzeichnenden (kognitiven) Restriktionen und Prinzipien hinsichtlich ihrer Struktur und der damit einhergehenden möglichen Prozesse.

Universallexikon:
Die in alle Sprachen vorkommenden Lexeme und deren allgemeine (kognitive) Struktur.

Vagheit:
Eigenschaft eines Begriffs, die Klasse der denotierten Dinge mehr oder weniger dem Begriff unterzuordnen bzw. unterordnen zu können (unscharfer Rand); Vagheit betrifft die Extension/Komprehension.

Vorsatz:
Absicht
V eines Sprechers, etwas zu tun bzw. tun zu wollen; ein Plan oder Vorhaben für eine Handlung, der den Zweck der das Vorhaben potenziell realisierenden Handlung bestimmt; die Intention eines (Sprech)handelnden.

Wernicke-Areal:
Gehirnareal mit Sprachfunktion, das etwa an/hinter der Ohrspitze sitzt und grob für Sprachrezeption zuständig ist (Perzeption, Sprachverstehen; inhaltliche Aspekte).

Wissen:
Verschiedene Kompetenzen im Sinne des Kennens (deklaratives Wissen), Könnens (prozedurales Wissen) und Knüpfens (assoziatives Wissen) zur Lösung einer allgemein-kognitiven oder sprachlich-kommunikativen Aufgabe; verschiedene Wissenssysteme sind Voraussetzung zur Produktion von Informationshaftem (Ermittlung eines Mehrwertes durch Wissen in Aktion bzw. interpretiertes Wissen).

Wurzel:
Der Standard-/Default-Stamm eines Lexems (primär z. B. bei der Wortbildung), wenn ein Wort mehrere Stämme besitzt.

Zentralität:
Eigenschaft eines Begriffs, durch die den Begriff definierenden Merkmale bessere oder schlechtere Vertreter des Begriffs bestimmen zu können (d. i. die Typikalität einer Entität hinsichtlich ihrer guten/schlechten Repräsentativität für den Begriff); Zentralität betrifft die Intension.

Ziel:
Derjenige Teil der Intention, der die Handlungszwecke zusammen mit den Vorsätzen definiert und (beg)leitet; das Ziel mag eventuell durch einen Handlungsplan anvisiert werden, der ebenfalls als Teil der Intention betrachtet werden kann; Ziele müssen wie Vorsätze nicht unbedingt realisiert werden (manche Ziele sind zu utopisch), sie leiten aber dennoch stets (un[ter]bewusst oder unbeabichtigt) unsere Handlungen.

ZNS:
Zentrales Nervensystem.

Zweck:
Ziel oder Grund einer Handlung; das Wozu oder Warum einer Handlung; die Intention einer Handlung.